Die Geschichte der Tschechischen Schulen in Wien lässt sich in vier Phasen zusammenfassen. Die Phasen sind von den äußeren politischen Ereignissen bestimmt, diese spielten natürlich auch im öffentlichen Bereich eine entscheidende Rolle.

Phase I.

Im Jahre 1872 wurde der Schulverein Komensky gegründet, der sich dem Unterricht in tschechischer Sprache widmete. Die Mitglieder engagierten sich beim Sammeln von Geldmitteln zur Öffnung von Schulen in Wien. 1883 konnte schließlich die erste Privatschule des Vereines realisiert werden. Es handelte es sich hierbei um eine tschechischsprachige Hauptschule. Das Schulgebäude befand sich in der Quellenstrasse 72, im zehnten Wiener Gemeindebezirk.

Da der Bau von privaten Schulgebäuden in dieser Zeit ohne hohe finanzielle Rücklagen gesetzlich nicht möglich war, wurde 1901 ein Wohnhaus in der Schützengasse 31 vom Komensky Verein gebaut. Hier wollte man später eine Schule einrichten.

1910 schließlich begann der Unterreicht in der Schützengasse 31 und damit war der ursprüngliche Zweck des Gebäudes erfüllt. Die politischen Umstände in Wien führten im September 1911 zur Schließung und sogar zur Plombierung des Gebäudes. Trotz starker Proteste der Öffentlichkeit blieb die Schule bis zum Ende des Ersten Weltkrieges geschlossen.

Phase II:

In der Ersten Republik wurden Pläne zur Errichtung eines tschechischen Gymnasiums erneut in tschechischsprachigen Zeitungen in Österreich diskutiert.

Jetzt wurde der Schulverein Komensky aktiv und rief spontan ein Treffen am 23.Juni 1919 in der Schützengasse 31 ein. Bei dieser Zusammenkunft wurde das Gymnasium gegründet und festgehalten, dass der Unterricht im dritten Stockwerk des Gebäudes stattfinden sollte.

Im Zuge der Brünner Verträge 1920 zwischen der Republik Österreich und der Tschechoslowakei wurden mitunter auch die Rechte der Minderheiten in beiden Ländern thematisiert. Damit bekamen die Schulen des Komensky Schulvereines das Öffentlichkeitsrecht zugesprochen. Das führte zu einem starken Anwachsen der Schülerzahlen und somit wurden neue Schulgebäude notwendig. Auch das Gymnasium bekam jetzt ein neues Gebäude.

Das Gymnasium übersiedelte 1934 in die neu errichtete Schule am Sebastianplatz 3. 1935 waren bereits 4452 Schüler an Komensky Schulen in Wien verzeichnet. Somit hatte die Phase des so genannten Ständestaates 1933-1938 wenig Auswirkungen auf den Schulbetrieb.

Phase III:

Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich und dem damit verbundenen ´Anschluss´ an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 kamen die tschechischen Schulen stärker unter Druck. Das Gymnasium wurde formell bereits 1938 aufgelöst und zu einer höheren Schule für Mädchen eingerichtet.

Während einige Lehrende und Direktoren der Schule das Land verließen, wurde tschechoslowakischen Gastlektoren die Einreise nach Wien verweigert.

Am 1. Jänner 1941 wurde in der Schützengasse 31 ein Militärlazarett eingerichtet und im Februar 1942 schließlich das gesamte Vermögen des Schulvereines Komensky konfisziert und alle Schulen geschlossen.

Nachdem die Alliierten im Frühjahr 1945 Österreich befreit hatten, wurde im Mai desselben Jahres der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Allerdings wollte man damit erreichen, dass alle vier Jahrgänge, die aufgrund des Krieges keine Möglichkeit hatten, die Schule abzuschließen, die Matura nachholen können. Danach wurden die die Mittelschulen des Schulvereines Komensky erneut aufgelöst.

Das Gebäude in der Schützengasse 31 stand somit leer bis es 1951 vom Wiener Stadtschulrat für ein Realgymnasium für Mädchen verwendet wurde. Das Mädchengymnasium verblieb bis zum Jahr 2000 in der Schützengasse 31.

Phase IV:

Bis in die 1970er Jahre konzentrierte sich das gesamte tschechischsprachige Schulwesen in Wien in einem Gebäude am Sebastianplatz 3. Hier wurde auch im Jahr 2000 das Oberstufenrealgymnasium des Komensky Schulvereines gegründet.

Nachdem die Schülerzahlen kontinuierlich anstiegen, brauchte der Komensky Schulverein ein neues Gebäude für das Oberstufenrealgymnasium. Aufgrund seiner Geschichte wurde dafür die Schützengasse 31 ausgewählt und im September 2006 der Schulbetrieb dort wieder aufgenommen.


Besuch im EU-Haus 1.Probe der Ballpolonäse Flüchtlingsprojekt Ute Bock Lesung und Diskussion mit Josef Haslinger